franchiseERFOLGE Ausgabe April/Mai 2018

Es liegt daher in der Natur der Bedeutung dieser Sache, dass in der Regel die alleini- ge Zuständigkeit für die Internetnutzung im Rahmen eines Franchisesystems beim Franchisegeber liegt. Im Franchisevertrag findet man dazu entsprechend stringente Regelungen, allerdings oft noch nicht in der eigentlich erforderlichen Ausführlichkeit und Transparenz. Heute wird bevorzugt über das Internet kommuniziert mit Interessenten, Kunden und Partnern. Das Internet ist zwischenzeit- lich das strategisch wichtigste Instrument zur Markenführung und Hauptbestandteil des Marketings in den virtuellen Medien. Das Internet wird nicht mehr wie früher als ergänzendes Kommunikationswerkzeug im Marketingmix genutzt, sondern vielmehr als eigenständiges Geschäftsmodell und virtuelle Systemmarke mit oft eigenem Dis- tributionskanal des Franchisesystems. Der "normale" Franchisegeber als Einzel- handelskonzeptbetreiber, Hersteller und Dienstleistungsanbieter, Systemgastro- nom etc. ist regelmäßig stationär tätig bzw. standortgebunden und setzt das Internet unter anderem zur Kundeninformation und Kundenbindung oder zum direkten Verkauf ein. Die Webseite ist das virtuelle Schau- fenster des Franchisesystems, welches zum Beispiel zur Kundengewinnung für das Sys- tem eingesetzt wird und den Systempart- nern direkt und indirekt Umsätze zuführen soll. Interaktion mit Besuchern der Websei- ten kann zwischen dem Franchisegeber und dem Besucher verfügbar gemacht werden sowie mit Franchisenehmern und Besu- chern. E-Branding für die Marken des Franchi- sesystems und die verbundenen Partner zum Aufbau eines positiven Images ist eine der Grundaufgaben einer solchen Präsenz. Einige Franchisesysteme bieten Kunden über ihre Partner bereits zusätzliche Kom- munikationswerkzeuge an, etwa über spe- zielle Apps, die Bestell- und Zahlungsvor- gänge von Franchisesystemen über alle Kanäle ermöglichen. Es gibt zum Beispiel ausgereifte Apps zur Konfiguration von Bestellungen bei Systemgastronomiebe- trieben mit Online-Zahlungsoptionen und Rückmeldung der genauen Abhol-/Liefer- zeiten. Auch werden immer mehr Kom- munikationswerkzeuge von und für Social Networks von Franchisegebern verfügbar gemacht, um deren Wettbewerbsvorteile in das Internetzeitalter zu transferieren. Franchisesysteme nutzen das Internet für geschlossene Benutzerkreise (Intranet etc.) mit den Franchisepartnern als das zentrale Führungs- und Kontrollinstrument des Fran- chisegebers. Franchisehandbücher, Vorga- ben, Richtlinien bis hin zu Schulungen wer- den heute nur noch digital online verfügbar gemacht und sind im Sinne eines „atmen- den Franchisesystems“ auch in Echtzeit bei Bedarf anpassbar. Daran kommt heute kein Franchisesystem mehr vorbei, was man sich als Interessent besonders mit Blick auf die oft langen Laufzeiten eines Franchisevertra- ges vor Abschluss eines Franchisevertrages sehr genau anschauen und zeigen lassen sollte. Bestellsysteme, Warenwirtschaftssysteme mit Onlineanschluss an Kassensysteme in Partnerstandorten oder Schulungsange- bote per Video in Onlineverfügbarkeit für neue Mitarbeiter, Werbemittel und deren Online-Konfiguration und Bestellung sind unter anderem nachzufragende Steue- rungsfunktionen von Franchisesystemen. Das Internet ist für Franchisesysteme natur- gemäß auch ein Expansionsinstrument, zur Gewinnung neuer Standorte und Partner, zur Expansion in neue Märkte im Ausland durch mehrsprachige Webseiten und ge- zielte Angebote für neue Märkte . Problematisch kann es werden, wenn der Franchisegeber über das Internet auch di- rekt an den Endverbraucher verkauft. Dann ist natürlich vorab zu klären, wie die Fran- chisenehmer berücksichtigt werden, ins- besondere dann, wenn diese ein geschütz- tes Vertragsgebiet haben, was allerdings immer seltener der Fall ist. Grundsätzlich sollte man als Franchiseinteressent immer nachfragen, wie ein Franchisesystem seine Vertriebspartner bei der Distribution über das Internet positioniert und beteiligt. Da- bei spielen auch Fragen der Preisgestaltung und Fragen zur Verkaufsförderungsaktio- nen im Netz eine Rolle, die rechtlich nicht unsensibel sind. Das gilt auch für Fragen nach eigenen Webauftritten und Webakti- vitäten eines Franchisepartners. Ein eigener Webauftritt eines Franchisenehmers kann vom Franchisegeber nicht einfach unter- sagt werden. Allerdings sollte man sich da- 16 Thomas Doeser: Studium der Rechts- und Wirtschaftswis- senschaften mit Schwerpunkten auf kooperativen Vertrags- vertriebssystemen, Franchising, Licensing und internationale Vertriebssysteme. Seit 1980 Partner einer international tätigen Unternehmensbe- ratung (BDU) mit Schwerpunkten in Nordamerika und Osteuro- pa mit der Spezialisierung auf die Konzeption und den Aufbau von Vertriebssystemen. 1980 Organisator des ersten Franchi- sekongresses in Deutschland sowie der ersten Franchisemes- se in Deutschland. Seit 1983 selbstständiger Rechtsanwalt in Tübingen Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der E.F.LAW, der European Franchise Lawyers Association EEIG. Spezialgebiet Franchise- und Lizenzrecht sowie Strategieent- wicklung und Beratung von Mandanten beim Auf- und Ausbau von Vertriebssystemen im In- und Ausland. Aktiv auch im operativen Bereich im Rahmen von Interimsmanagement und Treuhandmanagement. Projektarbeit in ganz Europa, Nordamerika sowie in Russland und in China. Seit 1980 zahlreiche Veröffentlichungen und Fachbuchbeiträge unter anderem zum Thema Franchising, Strategie und Management. Regelmäßige Kolumnen in bekannten Wirtschafts- zeitschriften sowie umfangreiche Vortragstätigkeiten im In- und Ausland auf Fachmes- sen, bei IHK's sowie unter anderem beim Deutschen Franchiseinstitut oder bei der ESB (European School of Business) in Reutlingen. Mitglied der E.F.LAW (Europäische Franchi- seanwaltsvereinigung) Mitglied im Rechtsausschuß des Deutschen Franchiseverbandes, Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Vertriebsrecht, Mitglied beim Deutschen Fach- journalistenverband, 2000 bis 2016 Vorstandsvorsitzender der Beratergruppe Strategie (EKS) e.V. und eine Vielzahl weiterer Aktivitäten und Mitgliedschaften im In- und Ausland. Kontakt: Rechtsanwalt Thomas Doeser Robert Gradmann Weg 1 · 72076 Tübingen · Tel. 07071 600630 E-Mail: tdoeser@t-online.de Foto: © Gerhard Blank Der Autor franchise WISSEN . Franchisesysteme im Internet Kein Franchisesystem kommt heute mehr am Internet vorbei. Markenkommunikation für das Franchi- sesystem, seine Produkte und Dienstleistungen sowie für seine Franchise- und Vertriebspartner ist heute ohne Nutzung des Internets nicht mehr vorstellbar. Mit einer Webseite ist das Franchisesystem weltweit präsent, sofort erreichbar und kontaktierbar von jedermann, der einen Internetzugang hat. Jedes Franchisesystem ist zwischenzeitlich online, für Kunden und für Partner, die auch online vom Systemgeber geführt werden.

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